Medienpädagogik - Was ist das?

Sucht man nach einer Definition des Begriffes Medienpädagogik, dann findet man annähernd viele Möglichkeiten wie für die Voraussage der Lottozahlen der nächsten Ziehung. Mittlerweile hat sich allerdings durchgesetzt, Medienpädagogik in drei Bereiche zu gliedern: Mediendidaktik, Medienerziehung und die informationstechnische Bildung. Was heißt das?

Mediendidaktik beschäftigt sich mit dem Einsatz (neuer) Medien in Lehr- und Lernprozessen, es geht also darum, was Medien zum Lehren und Lernen beitragen können. Auf der einen Seite können Medien, seien es nun Musik, Filme oder ganz schlicht Präsentationen dem Lehrenden helfen, seine Inhalte leichter verständlich aufzubereiten, auf der anderen Seite fällt es Schülern, Studenten, Seminarteilnehmer etc. leichter, komplexe Sachverhalte zu verstehen, wenn diese ansprechend visualisiert werden. Soweit also logisch

Medienerziehung zielt auf den täglichen Medienkonsum aber auch der aktiven Mediennutzung ab, mit den Gefahren auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch mit den Möglichkeiten und Chancen.

Informationstechnische Bildung kann man in diesem Zusammenhang als Überbegriff verstehen, der die Möglichkeiten der aktiven Vermittlung von Medienkompetenz anhand verschiedener Projekte zusammenfasst.

Leitziel Medienkompetenz

Und damit sind wir beim Kernaspekt der Medienpädagogik angekommen: der Vermittlung von Medienkompetenz. Medienkompetenz, als Begriff geprägt vom Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke, hat sich im Laufe der 90er Jahre als Ziel der Medienpädagogik immer deutlich durchgesetzt und kann als übergeordnetes Ziel angesehen werden. Wie sich schon die Medienpädagogik aufteilen lässt, so kann man auch den Begriff Medienkompetenz, zum besseren Verständnis, in einzelne Teile zerlegen. Laut Baacke setzt sich die Medienkompetenz aus folgenden Kompetenzen zusammen:

Medienkritik

Sie soll analytisch problematische gesellschaftliche Prozesse angemessen erfassen. Jeder Mensch sollte reflexiv in der Lage sein, das analytische Wissen auf sich selbst und sein Handeln anzuwenden. Die ethische Unterdimension der Medienkritik bezeichnet die Fähigkeit, soziale Konsequenzen der Medienentwicklung zu berücksichtigen. Das heißt, Medien dürfen nicht unkritisch betrachtet sondern ihr Nutzen und ihr Wahrheitsgehalt müssen hinterfragt werden und auch die Auswirkungen der Mediennutzung müssen bei der kritischen Betrachtung berücksichtigt werden

Medienkunde

Die Medienkunde umfasst das Wissen über die heutigen Mediensysteme. Die informative Unterdimension der Medienkunde beinhaltet klassische Wissensbestände (Zeitung, Film, Radio, Internet etc.), die instrumentell-qualifikatorische Unterdimension meint die Fähigkeit, neue Geräte auch bedienen zu können (Smartphones, Videokameras, Digitalkameras etc.).

Die beiden Aspekte Medienkritik und Medienkunde umfassen die Unterdimension der Vermittlung.

Die Unterdimension der Zielorientierung liegt im Handeln der Menschen. Hierbei spielt also die Nutzung von Medien eine wichtige Rolle. Auch hier kann man zwei Aspekte unterscheiden:

Mediennutzung

Mediennutzung ist doppelt zu verstehen: Medien sollen rezeptiv angewendet werden (Programm-Nutzungskompetenz), also ganz klassisch „konsumiert“, und interaktive Angebote genutzt werden, z.B. die Beteiligung in Internetforen oder das Erstellen eines eigenen Blogs.

Mediengestaltung

In den Bereich Mediengestaltung fallen die innovativen Veränderungen und Entwicklungen des Mediensystems und die kreativen ästhetischen Varianten, die über die Grenzen der alltäglichen Kommunikationsroutinen hinausgehen. Mediengestaltung meint nicht die Tätigkeit, die ein Mediengestalter ausübt, oder zumindest nicht nur. Hierbei geht es um verschiede Aspekte des kreativen Umgangs mit neuen Medien, z.B. Podcasts erstellen, Kurzfilme drehen, oder Websites gestalten. Mediengestaltung heißt aber nicht, dass man in jedem Bereich gleichermaßen kompetent sein muss, es reicht durchaus, sich mit Filmschnitt auszukennen, man muss nicht gleichzeitig auch Websites gestalten und programmieren können.

Zurück zu Baacke: er geht davon aus, dass Menschen nur dann medienkompetent handeln können, wenn sie alle vier Teilkompetenzen beherrschen. Das setzt natürlich auch voraus, dass Medienpädagogen, die ja Medienkompetenz vermitteln sollen (mit Hilfe der Mediendidaktik, der Medienerziehung und der informationstechnischen Bildung, wir erinnern uns) selbst auch alle Teilkompetenzen vorweisen können, denn wie soll jemand Medienkompetenz vermitteln, wenn er nicht selbst medienkompetent handeln kann.

Nicht jeder Pädagoge muss auch gleichzeitig Medienpädagoge sein, aber für den Alltag kann man abschließend sagen: je besser man selbst mit Medien umgehen kann und je besser man sich damit auskennt, desto einfacher können Medien in die eigene Arbeit eingebunden werden und desto leichter fällt es, Medienkompetenz als Eigenschaft selbst zu entwickeln und an andere, zumindest in Teilaspekten, weiter zu geben.

Kontakt

Fachgruppe Medienpädagogik
medienpaedagogik@eja-bamberg.de